Peter Schärli: Don't Change Your Hair For Me

Kritiken

 

... Peter Schärli ist immer so etwas gewesen wie ein Feingeist in Bergschuhen, ein Vitalist mit Vorlieben für nuancierte Verästelung und Schattierungen, auch Lyrismen. Hier treibt er das Understatement auf die Spitze. Er nimmt sich zurück bis ins Lapidare, er ordnet sich, meist mit samtigen Flügelhorn-Portato, in den Intimstrahmen des Quartetts ein, und so entsteht aus disem Unternehmen eine höchst überraschende, frische, neue und gleichzeitig vertraute Art von Kammermusik. Von Schärlis Trompete her gesagt: eine Art Intimkunst aus dem wiederauferstandenen Geist von Chet Baker. Peter Schärli, Sandy Patton, Antonia Giordano und Thomas Dürst: die vier verwandeln Titel wie "Peace", "Lazy Afternoon", "Nature Boy", "My Funny Valentine" in eine zauberhafte Kleinkunst. Die Gruppe nennt sich "Don't Change Your Hair For Me", und auch dieser Name ist nicht erfunden, sondern gefunden. Er stammt aus dem Mittelteil von Lorenz Herts / Richard Rodgers' "My funny Valentine". "Is your figure less than Greek? / Is your mouth a little weak? / When you open it to speak are you smart? / But don't change your hair for me / Not if you care for me / Stay little Valentine, stay...".

Keinem, der halbwegs bei Verstand ist, ist das als auch nur passable Lyrik anzudrehen; aber bei allen Göttern Griechenlands und Hollywoods, es wird Kunst draus, bei Chet Baker, whose melody lingers on, und bei Peter Schärli und Sandy Patton auch. Welches alchimistische Geheimnis hinter dieser Verwandlung von Scheisse in Gold auch immer steckt.
Peter Rüedi - 20. April 1995

 

...Es ist eine sehr subtile CD, die Peter Schärli uns hier vorlegt. Kein schmetterndes Imponiergehabe. Dafür sehr viel Gefühl, ruhiges Dahingleiten. Auch nehmen sich die Interpreten und Interpretinnen Zeit, diese Stücke zu entwickeln, sie reifen zu lassen - und beweisen dabei ein gutes Timing, ein intuitives Gespür für den richtigen Ton im richtigen Augenblick.

Meinrad Buholzer, Luzerner Neueste Nachrichten, 10. Juni 1995

 

..."Don't Change Your Hair For Me" brachten den diskreten Charme des Understatements zum Klingen.

Tom Gsteiger, Der Bund, 20. Mai 1995, Bern

 

...Peter Schärli besticht mit feinen Nuancen und liefert auf der Trompete und auf dem Flügelhorn eine smtweiche und balladengerechte Ambiance, die an Chet Baker denken lässt, Thomas Dürst baut mit seinem Kontrabass jenes Fundament, ohne das alles nichts wäre, und Antonia Giordano weiss mit sicherem Instinkt, Lücken zu füllen und ihre Gitarre gruppendienlich am richtigen Ort einzusetzen. Doch das Hauptverdienst am Gelingen des äusserst delikaten Unternehmens trägt die amerikanische Sängerin Sandy Patton. Sie verfügt über ein einmaliges Flair, aus so trivialen Texten, wie sei den meisten Liedern des "Great American Songbook" zugrunde liegen, wahre Kleinodien zu gestalten. "Don't Change Your Hair For Me" wendet sich nicht in erster Linie an die eingefleischten Jazzfreaks, sondern an alle, die sich ein Ohr für die Feinheiten der leisen Musik bewahrt haben.

Ulrich Roth, Jazzpodium 12/1995, Stuttgart